Interteam-Einsatz

FE Y ALEGRIA
Educación Intercultural Bilingüe en área urbana /
Interkulturelles Lernen und Zweisprachigkeit in städtischem Gebiet

1. Die lokale Partnerorganisation

Fe y Alegría international
Die Institution wurde Mitte der 50er Jahre in Venezuela unter dem Namen Fe y Alegría (Glaube und Frohsinn) als "Bewegung der ganzheitlichen Volksbildung und der sozialen Förderung" gegründet. Von dort aus hat sich die Bewegung in weiteren 14 Staaten Lateinamerikas sowie in Spanien ausgebreitet.
Fe y Alegría in Bolivien: seit 1966
Fe y Alegría ist eine konfessionelle Institution katholischer Ausrichtung, die in Bolivien mit gegen 50 verschiedenen Ordensgesellschaften und einem grossen Laienanteil arbeitet. Sie wird hauptsächlich vom Jesuitenorden und vom bolivianischen Staat getragen. Mit letzterem verbindet sie ein kirchlich-staatlicher Rahmenvertrag, in dem der Staat der Institution Lehrpensen zur Verwaltung und Betreuung überträgt. In den 35 Jahren ihrer Tätigkeit ist Fe y Alegría in Bolivien zu einem wichtigen Referenzwert im Bildungsbereich geworden.

Fe y Alegría ist in allen neun Departementen Boliviens präsent, wobei eine Priorität auf ländliche und vorstädtische Gebiete gelegt wird. Das Tätigkeitsfeld der Institution umfasst eine reichhaltige Palette von Dienstleistungen sowohl im Bildungsbereich als auch im Bereich der sozialen Entwicklung und Förderung. Quantitativ deckt Fe y Alegría etwa 6% des gesamten Bildungsbereichs im Land ab.

Das Bildungsangebot der Institution umfasst folgende Bereiche: Schulbildung, Erwachsenenbildung, Spezialbildung, Technische Ausbildung und Fernschulung in ländlichen, städtischen und vorstädtischen Gebieten. Diese Bildungsprogramme werden nach bestimmten strategischen Leitlinien entwickelt: kurrikulare Aktivität, Aus- und Weiterbildung, didaktische Materialien, Gleichstellung der Geschlechter und Evangelisierung.

Für die operative Abwicklung ist in jedem der 9 Departemente ein Filialbüro eingerichtet, das den direkten Kontakt zu den Schulen unterhält (Planung, Weiterbildung, Nachbetreuung, Kontrolle, Verwaltungsaufgaben...). In La Paz ist ausser dem Departamentsbüro auch der nationale Sitz der Institution.

Fe y Alegría steht in Verbindung mit der staatlichen Bildungsreform und realisiert in mehreren Fällen Pilotversuche, welche in die Umsetzung dieser Reform einfliessen, - so sollte es im günstigsten Falle auch mit unserem Projekt geschehen.

Equipo de FyA La Paz
Das Arbeitsteam von Fe y Alegría Departamental La Paz

2. Das Projekt

…besteht aus zwei Ebenen: die eine auf lokaler, die andere auf nationaler Ebene

A) Auf lokaler Ebene

Das Projekt "Interkulturelles Lernen und Zweisprachigkeit in städtischem Gebiet (El Alto)" ist ein Pilotprojekt, in dem zwei bisher vernachlässigte, aber zentrale Elemente der Bildungsreform und des CAPIB (s.o.) umgesetzt werden sollen: eben die Zweisprachigkeit und das interkulturelle Lernen.

Warum & Wozu?
Die meisten Kinder, die in El Alto, und vor allem in den Randgebieten der Stadt, zur Schule gehen, stammen aus Familien, die vor nicht langer Zeit vom Land in die Stadt gezogen sind und Aymara als Muttersprache haben. Wenn diese Kinder in den - ausschliesslich spanisch geführten - Kindergarten oder in die Schule kommen, verstehen sie vorerst nur Bahnhof und sind von den fremdsprachigen Redeschwällen der Lehrerin schlicht überfordert. Dies äussert sich dann in sog. "Lernschwierigkeiten", in psychischen Störungen oder sozial auffälligem Verhalten usw. Um diese Probleme zu vermindern und dem Kind bessere Entwicklungschancen zu geben, soll seine Muttersprache (Aymara) in der Schule miteinbezogen und die Zweitsprache (Spanisch) in angemessener Art und Weise eingeführt werden. Mit dem interkulturellen Lernen soll das gegenseitige Verständnis zwischen TrägerInnen unterschiedlicher Kulturen in und ausserhalb des Landes gefördert werden. Dies bedeutet, dass das Selbstwertgefühl der indigenen Kinder gehoben und die - von der herrschenden Gesellschaft stark diskriminierten - indigenen Kulturen allgemein aufgewertet werden, ohne dass dabei ein Gegenrassismus entsteht. Die konkret daraus entstehenden Aufgaben für die Fachperson sind unter Punkt 3 beschrieben.

Für Wen & Wo?
Unmittelbare Zielgruppe dieses Projekts sind vorherrschend Aymara sprechende Immigrantenkinder in Randgebieten von El Alto. Vorerst wurde die Schule "Fernando Bravo" nach ihrer Bereitschaft angefragt; nach Möglichkeit wird das Experiment gleichzeitig in einer weiteren Schule mit ähnlichen Voraussetzungen durchgeführt. Die Schule "Fernando Bravo" bietet zur Zeit von der Kindergartenstufe bis zum 8. Primarschuljahr an. Sie zählt 560 SchülerInnen und arbeitet aus Raummangel jeweils in der Morgenschicht mit den doppelt geführten Kindergarten- bis 5. Klassegruppen, und nachmittags mit den 6.-8. KlässlerInnen. Die Schule beschäftigt 20 LehrerInnen und wird von einer mexikanischen Ordensschwester geleitet. Ursprünglich war geplant, das Pilotprojekt auf Kindergartenstufe bis zur 3. Primarklasse zu beschränken. Aus verschiedenen Gründen wird es nun aber offengehalten, ob auch höhere Klassen - je nach Motivation der Lehrkraft - mitmachen.

Zukunftsperspektiven?
Diese Erfahrung wird die erste in vorstädtischem Gebiet sein, und soll anschliessend im ganzen Land zusammen mit der Bildungsreform implementiert werden. Es gibt im Land, und zwar konkret bei Fe y Alegría Erfahrungen mit Zweisprachigkeit und interkulturellem Lernen in ländlichen Gebieten, nicht aber in vorstädtischen, geschweige denn in städtischen. Das Konzept des Pilotprojektes zieht bewusst die Reproduzierbarkeit mit ein.

B) Auf nationaler Ebene

Die oberste Leitung von Fe y Alegría Bolivia hat den Wunsch geäussert, dass ich zu einer besseren Fundierung und einer Vertiefung der theoretischen Grundlagen der "Interkulturalität" und "Zweisprachigkeit" innerhalb des CAPIB beitragen soll.
Konkret bedeutet das, dass insbesondere die im Lande vorhandenen Forschungen zu Interkulturalität und Zweisprachigkeit erfasst und unter den 9 Departamentsequipen von Fe y Alegría sowie unter den MitarbeiterInnen des Nationalen Koordinationsbüros bekannt gemacht und diskutiert werden, damit innerhalb der Institution eine fundierte Reflexion über die eigene Position stattfinden kann.

Grundlagen für die Arbeit
Sowohl für die Arbeit auf lokaler wie auf nationaler Ebene gibt es Vorarbeiten, die als Ausgangspunkt dienen:

3. Die konkreten Arbeitsaufgaben von Irene Fröhlicher

Bei der Arbeit auf lokaler Ebene wird von der Freiwilligen Fachperson folgende Mitwirkung erwartet:
Oberste Priorität haben dabei folgende Grundsätze:
  1. - Alle Planungs- und Entwicklungsvorgänge sollen partizipativ, d.h. mit grösstmöglicher Mitwirkung der Beteiligten ablaufen: SchuldirektorInnen, LehrerInnen, SchülerInnen, Eltern-VertreterInnen und Behörden.
  2. - Das Projekt soll nachhaltig und wiederholbar sein. Dies bedingt u.a. kollektiv geplante, systematisierte, schriftlich dokumentierte Abläufe, Entwurf und Validierung von geeigneten Instrumenten zur Abklärung verschiedenster (Weiterbildungs-) Bedürfnisse und für die Analyse des sozio-ökonomischen und kulturellen Umfelds.

Die Arbeit auf nationaler Ebene beinhaltet:

Weitere Informationen zum Projekt



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Letzte Aktualisierung am 17. September 2002
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