Ecos de La Paz

No 02 / Octubre del 2001


Daniel Ott & Irene Fröhlicher
Casilla 4524
La Paz
Bolivia
Tel. +591-2-495343
daniel@interlama.net
irene@interlama.net
www.interlama.net

Das Kopieren, Verteilen und Verschicken dieses Rundbriefes ist erwünscht!
Ein- und Ausblicke Der Coca-Konflikt: Teil II Ecos aus dem Projekt von Daniel
Bolivien als Schmelztiegel der Kulturen Lebenskosten Projektseite von Irene
Interkulturelles Lernen & Zweisprachigkeit in städtischem Gebiet (El Alto) Wer ist INTERTEAM? Ecos aus dem Umfeld der Projekte:
=> Einem geschenkten Gaul...
=> Bolivianische Bildungsreform
Vom Alltagstrott interlama-home Schweizer Architekten und Daniel in Chiquitos: Fotos
Singende Irene

Ein- und Ausblicke

Mittwoch, 5. September 2001: die Stadt, nein, das ganze Land steht still. Keine Bewegung oder es gibt eine Busse! "Jegliche öffentliche und private Aktivität ist untersagt." Nur die grünen Polizei- und Armeemännchen schwirren umher (das erfährt man über das Radio). Was ist los? Ein Generalstreik? Nein, die über 8 Millionen- Bevölkerung wird heute gezählt. Da wird u.a. nachgefragt, wo man die letzte Nacht geschlafen hat, aus welchem Material das Haus gebaut ist und ob man sich zu einer der indigenen Volksgruppen zugehörig fühlt... Es ging schnell vorüber. Hoffentlich bewirkt die Aktion auch eine sinnvolle Verteilung der Ressourcen im Land.
Seit neun Monaten sind wir nun schon in La Paz, geniessen den hiesigen Alltag allmählich, und reisen gelegentlich (v.a. geschäftlich) im Land herum. Inzwischen hat auch Irene - in einer Rekordzeit von weniger als 3 Monaten - eine Projekteingabe von Unité bewilligt bekommen, d.h. einen eigenen Vertrag mit INTERTEAM.
Die Winterzeit mit den eisigen Nächten, bei denen man gar die Nasenspitze unter die Decke steckt, scheint nun vorüber. Anstatt der für August angekündigten Windsaison hatten wir ein paar wenige Regengüsse. Es scheint, als wisse auch hier das Wetter nicht recht, wie es sich gehört.Für den Dezember ist ein "kleiner Niño" angekündigt, das heisst für uns hier auf der andinen Hochebene Dürrezeit und Verschiebung des feuchten Sommers, der die braune staubige Umgebung grün färbt.

Was hat sich seit dem letzten Rundbrief hier in Bolivien getan?
Der Dollarkurs ist in den 4 Monaten von 6.50 auf 6.70 Bolivianos gestiegen, der Bauernführer Felipe Quispe hat im Mai durch seine Strassenblockaden dem Tourismus im Altiplano grosse Verluste eingefahren, ja und der Präsident Hugo Banzer hat sich wegen eines Krebsleidens von seinem Amt verabschiedet und lässt sich nun in den USA behandeln. Es bestehen einige Parallelen zwischen seiner Amtsabgabe an Jorge Quiroga und der Transaktion zwischen Jelzin und Putin seinerzeit, nur dass Banzer in keinem Augenblick daran dachte, sich beim Volk zu entschuldigen.
Singender Daniel

Bolivien...
ein Schmelztiegel der Kulturen

Die Vielfalt Boliviens ist unvorstellbar, sowohl was die Landschaft als auch die Kulturen angeht. Auf dem Territorium, das etwa 26mal die Schweiz fasst, sollen über 30 ethnische Gruppen leben.
Die grössten Volksgruppen unter ihnen sind: im ganzen Land verstreut ca. 2,5 Mio Quetschuas sowie auf der andinen Hochebene (3200-3800 m ü.M.) die ca. 1,6 Mio Aymaras. Diese beiden Völker haben es geschafft, dass ihre Sprache neben dem Spanischen auch als Staatssprache anerkannt wird (zumindest theoretisch). Alle weiteren gelten als Minderheiten: uru, kallawaya, araona, ayoreo, bororo, baure, esse-ejja, canichana, cavineña, chacobo, chiquitano, chulupi, guarasug'we pauserna, guaraní, guarayo, ignaciano, itonama, leco, moré, mojeño, mosetén, movima, sirionó, tacana, tsimane, tapiete, weenhayek, yurucaré, yuqui-mbya…
Leider steckt der Stolz über diese Vielfalt bei den Bolivianer/inne/n noch in Kinderschuhen. Die Gesellschaft ist hierarchisiert und könnte stark vereinfacht etwa so dargestellt werden:
eine nur spanisch sprechende und kulturell euro/amerikanisch-geprägte Elite, sitzt auf dem Spitz der Pyramide (und dirigiert das Land), ein breiter intermediärer Sektor von Mestizen spricht zum grössten Teil sowohl eine indigene wie auch die spanische Sprache, und an der Basis sind die ländlichen Bewohner/innen, die zum Teil nur die indigene Muttersprache beherrschen.
Prestige und Macht gehen einher mit der Position, die man in dieser sozioökonomischen Pyramide einnimmt. Wer Spanisch kann, hat auf jeden Fall die besseren Aufstiegschancen.
Die zunehmende Krise hat in den letzten Jahren den Migrationsstrom vom Land in die Städte anschwellen lassen. Am spektakulärsten ist dies in El Alto de La Paz geschehen: Diese heute eigenständige Stadt hat es seit Ende der 40er Jahre von Null auf heute 800'000 Einwohner/innen gebracht - gemäss ersten Ergebnissen der allerneusten erwähnten Volkszählung. Über El Alto wird es noch mehr zu berichten geben, da Irene dort eines ihrer Tätigkeitsfelder hat.
Dazu gleich Näheres:

Interkulturelles Lernen & Zweisprachigkeit in städtischem Gebiet (El Alto)

Irenes neuer Job
Seit Juli gehöre auch ich zur hiesigen Angestelltenzunft, und zwar als "Technikerin für Interkulturelles und Zweisprachiges Lernen" beim Departamentsbüro von Fe y Alegría in La Paz, im Herzen der Stadt.
"Techniker" nennen sich hier nicht nur Abgänger von technischen Hochschulen, sondern jegliche Art von "Sachverständigen", die ernst genommen werden möchten. Das "Techniker"team besteht aus 9 weiteren Personen, die entweder für eine Zone oder eine der pädagogischen Aktionslinien der Institution zuständig sind. Unsere Arbeit besteht im Allgemeinen im Planen, Durchführen und Auswerten von Weiterbildungen, in der Nachbegleitung im Unterricht und anderen administrativen Aufgaben.
Bei mir kommt dazu, dass ich zuerst eine (für die Institution neue) theoretische Basis für die Begriffe "Zweisprachigkeit" und "Interkulturalität" erarbeiten sowie Erhebungsinstrumente für die Bestimmung der am Pilotprojekt beteiligten Schuleinheit(en) und deren verschiedenen (Weiterbildungs-) Bedürfnisse entwerfen muss.
Um die betreffenden Erhebungen und Beobachtungen zu machen, pendle ich zur Zeit oft zwischen La Paz und El Alto (ca. 1 Std. Hinweg im Minibus).

Weshalb-Warum-Wozu dieser Projekteinsatz?
- ein paar Eckdaten:
  • Über 40% der Bevölkerung Boliviens ist unter 15 Jahren, eine wahre Herausforderung für jedes Erziehungswesen - bei der ethno-kulturellen Vielfalt erst recht.
  • 1994 ist in Bolivien das neuste Gesetz der Bildungsreform verabschiedet worden, das die bolivianische Erziehung als "interkulturell und zweisprachig" bezeichnet und als Ziel die Errichtung eines "interkulturellen und partizipativen Erziehungssystems" setzt, "das allen Bolivianern ohne jegliche Diskriminierung den Zugang zur Bildung ermöglicht".


Tönt gut, nicht wahr?

  • In der Praxis hat die interkulturelle und die zweisprachige Erziehung bisher nur sporadisch in ländlichen Gebieten Einzug gehalten, was landesweit nicht besonders zur Aufwertung der indigenen Sprachen beigetragen, und auch die Diskriminierung von ländlichen Migranten in den Städten nicht abgebaut hat.
  • Auch wurde die Einführung der interkulturellen und zweisprachigen Schulbildung in den Städten von der Equipe der Bildungsreform bisher auf die lange Bank geschoben, vielleicht weil damit auch ein politisch heisses Eisen angerührt würde. So grassiert in den Städten, wo die (politischen) Meinungen geprägt werden, der Rassismus ungestört weiter. Das sitzt den immigrierenden Indígenas tief drin und geht soweit, dass sie ihren Kindern verbieten, auf der Strasse und in der Schule ihre indigene Herkunft durch ihre Sprache zu verraten... Was sie damit anrichten, ist ihnen wohl selber nicht bewusst.
  • Die Partnerorganisation Fe y Alegría (Glaube und Frohsinn) ist eine kirchliche, von den Jesuiten getragene Institution, welche im Bereich der Bildung und der sozialen Förderung wirkt. Sie arbeitet in staatlichen Schulen und deckt ca. 6% der Schulen im Land ab. Im Departement La Paz sind es allein 54 Schuleinheiten mit ca. 30'000 SchülerInnen. Die Initiative von Fe y Alegría, mit dem interkulturellen und zweisprachigen Programm in städtische Gebiete vorzudringen, trägt nicht nur zu einer kindgerechten Alphabetisierung und besseren Lernresultaten, sondern langfristig auch ganz allgemein zur Identitätsstärkung und Aufwertung der indigenen Kulturen bei. Ziel ist es, mündige BürgerInnen für eine offene, selbstbewusste, multikulturelle Gesellschaft vorzubereiten.
Ausführlicheres über Irenes Einsatz auf ihrer Projektseite.


Vom Alltagstrott

Schon öfters wurden wir gefragt, wie denn unser Alltag aussehe. Ein paar Einzelheiten mögen wir gerne preisgeben:
Beginnen wir mit Samstag - Markttag. Vielleicht schlafen wir nach einer bewegten Arbeitswoche morgens sogar ein wenig aus; nach dem Zmorge geht's aber los in Richtung Markt. Zwar bekommt man am Mercado Rodríguez auf beiden Strassenseiten die ganze Woche über alles was man braucht.
Doch am Wochenende füllt sich auch die Strasse zwischen den ständigen Marktbuden mit Ständen von Auswärtigen, die von Kartoffelsäcken über Zahnpasta, Papaya, Fleisch, Waschpulver, (importierte) Zweithandkleidung, Huhn, Shampoo, Fisch, Besen, Hefe, Küchenutensilien, Erdnüssen, Käse, bis zur Unterwäsche eigentlich alles anbieten.
Da stapfen wir also zu zweit den vollgestellten Gang hindurch und fragen zur Orientierung nach dem einen oder anderen Preis, um uns ein Bild zu machen. Wenn dann die Marktfrau einen Sekundenbruchteil zu lange überlegt, wissen wir, dass wir wieder einmal in den Genuss des Gringo-Bonus gekommen sind und gehen zur nächsten über, mit dem vagen Versprechen, beim Rückweg dann vorbeizukommen.
Oft hören wir den Spruch: "Compráme, caserita" oder "Señorita, ¿qué se va a llevar?".
Die "caserita" ist die treue Käuferin, die man als solche eigentlich (mit der zurechtgestutzten Handwage) nicht übers Ohr hauen sollte.
Vollbepackt mit schweren Taschen, das freundliche Angebot "Señorita, ¿le ayudaré?" von schmächtigen aber flinken älteren oder auch jüngeren Männern mit ihren Tragtüchern mehrmals ablehnend, schleppen wir uns die 6-7 Cuadras und die zwei Stockwerke bis zum Kühlschrank durch und geniessen zur Erholung eine unterwegs gekaufte, warme Huminta (=Mais-mit-Käse in einem Maisblatt, im Ofen oder im Wasser gekocht). Anschliessen beantworten die während der Woche angehäuften Mails, kochen abends mal wieder was oder gehen in den Ausgang.
Bei schönem Wetter gehen wir am Sonntag auch mal in der Gegend spazieren, in den Zoo oder auf eine Exkursion. Die kürzeren Varianten führen zu einer Kuchenstube, wo Irene mit einer guten Freundin einen Kaffeetratsch abhält. Oder wir sitzen zu Hause am Computer und schreiben am Rundbrief, erledigen sonstige Korrespondenz, bekochen Gäste oder surfen ein wenig im Internet herum und gehen am Abend ins Kino.

Die Arbeitswoche beginnt für Irene gewöhnlich um 8.30 Uhr, vielleicht mit einer Planungs- oder internen Austauschsitzung. Daniel begibt sich gegen 9 Uhr zu einem seiner zwei Arbeitsplätzen, entweder zum wiedereröffneten Büro von CPILAP oder zu seinem grossen Schreibtisch im Büro von AOPEB.
Über die Mittagszeit treffen wir uns zu Hause und gehen gemeinsam in einem der familiären 5-Boli-Spunten im Quartier essen. Dann reicht's zu Hause noch für einen Espresso und manchmal für ein paar Gesangsübungen und schon geht's wieder ab zur Arbeit.
Gegen sieben Uhr abends kehren wir nach Hause zurück und verpflegen uns mit einer Kleinigkeit. Am Abend proben wir noch zwei Stunden mit dem Chor, und dann geht's ziemlich bald ab ins Bett.
Wenn wir am Dienstag Mittag nach Hause kommen, erblicken wir freudig unsere sauber gewaschene Wäsche an der Leine. Das heisst: Julia, unser gute Seele des Haushaltes, ist gekommen und hat schon fleissig gearbeitet. Früher hatte es Irene noch genossen, mit ihr zusammen zu kochen, weil man so auch mehr ins Gespräch kommt und Küchentricks austauschen kann, das liegt nun aber zeitlich nicht mehr drin.
Am Nachmittag bleibt Irene aber nach Möglichkeit zu Hause, um Aymara zu lernen. Rund eine Stunde sitzen Julia und Irene zusammen, und lernen im Austausch: Julia lesen & schreiben, Irene die Aussprache und Bedeutung neuer Wörter. Vielleicht kommt an diesem Nachmittag auch noch die richtige Aymaralehrerin vorbei und bringt Irenes Hirnzellen zum Rotieren.
Mittwochs geht es nach der Arbeit direkt zur zweiten wöchentlichen Chorprobe ins Konservatorium; danach weiss der Baske in seiner Imbissbude immer schon Bescheid, was wir bestellen werden: zwei Kyros, davon eines ohne Zwiebeln und zwei Bier.
Am Donnerstag muss Irene wegen eines Schulbesuchs in El Alto ev. schon eine Stunde (=Fahrzeit!) früher los, damit sie rechtzeitig mit der Unterrichtsbeobachtung beginnen kann. An diesem Tag fängt in den Konzertsälen und Theatern die Wochenendprogrammation an, und wir besuchen gelegentlich eine Vorstellung oder ein Konzert.
Das Mittagessen vom Freitag tauscht Daniel öfters mit einer Volley-Partie mit seinen ArbeitskollegInnen ein. Am Abend erwartet uns meist ein Päckli Chips und ein Apéro als Belohnung für die anstrengende aber auch spannende und abwechslungsreiche Arbeitswoche.



Kein Text

Im letzen Rundbrief haben wir über die zweifelhaften Erfolge der bolivianischen Regierung bei der Ausrottung von Coca-Plantagen in Chapare berichtet (siehe Der Coca-Konflikt).
Auch haben wir schwere Konflikte vorausgesehen, da die Regierung die Vernichtung von Coca-Feldern in den Yungas, dem seit Jahrhunderten wichtigsten Anbaugebiet Boliviens, angekündigt hatte. Anfang Juni kam es dann tatsächlich zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen der Regierung und den Coca-Bauern, der das Land an den Rande eines Bürgerkriegs brachte.
Völlig überraschend schickte die Regierung von General Banzer im frühen Morgengrauen rund 750 bewaffnete Soldaten und Polizisten in die Sur-Yungas mit dem Auftrag, die Dörfer zu besetzen, welche gemäss Messungen eines amerikanischen Aufklärungssatelliten überzählige Coca-Felder aufwiesen und anschliessend mit der Vernichtung dieser Pflanzungen zu beginnen.
Die Soldaten hatten aber nicht mit dem raschen und massiven Widerstand der Coca-Bauern gerechnet, welche die Eindringlinge mit Gewalt daran hinderten, ihre Lagerstätten aufzubauen und dafür sorgten, dass weder Lebensmittel noch andere Güter an die militärische "Besatzungsmacht" verkauft wurden. Auch kam es zu kleineren Scharmützeln mit Verletzten auf beiden Seiten.

Der Coca-Konflikt: Teil II

In den folgenden Tagen versuchte die Regierung vergeblich, die gewaltsame Stimmung in den Yungas zu entschärfen. Weder das Versprechen, dass nur rund 1300 der knapp 14'000 Hektaren an Coca-Pflanzen vernichtet und jede Hektare mit rund 2500 US-Dollar entschädigt würde, noch die Ankündigung einer massiven Investition im Wert von 42 Millionen US-Dollar in die Region, konnte die Bauern besänftigen.
Die Regierung sah sich daher gezwungen, eine hochkarätige Delegation, bestehend aus dem Regierungs-, dem Agrar- und dem Verteidigungsminister, in die Höhle des Löwen zu schicken, um mit den aufgebrachten Coca-Bauern direkt zu Verhandeln. Die Verhandlungen fanden im Fussball-Stadium von Chulumani statt, wo die Regierungsdelegation mit Repräsentanten der Coca-Bauern diskutierten, begleitet von rund 8000 teils wütend schreienden Menschen.
Die im Radio live übertragene Diskussionsrunde drohte mehrere Male in unflätige Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten auszuarten und es war der geschickten Vermittlung von Vertretern der katholischen Kirche zu verdanken, dass die Regierungsdelegation unversehrt blieb. Der massive psychologische Druck, der auf den Ministern lastete, erklärt wahrscheinlich auch die überraschende Kehrtwende, welche die Regierung nach 12 Stunden zähen Verhandelns einleitete.

Kein Text

Sie verpflichtete sich nicht nur, die Soldaten auf der Stelle und bedingungslos abzuziehen, sondern garantierte den Coca-Bauern zahlreiche Privilegien und Sicherheiten, welche der bisherigen Drogenpolitik diametral entgegengesetzt sind. So wurde das Regierungsdekret, welches die Ausrottung überzähliger Coca-Felder in den Yungas vorsah, sang- und klanglos aufgehoben. Den Coca-Produzenten wurden Erleichterungen bei der stark kontrollierten Kommerzialisierung der Coca-Blätter für den nationalen Markt gewährt. Auch verpflichtete sich die Regierung, den in Konflikten mit dem Militär verletzten Bauern eine grosszügige Entschädigung zu zahlen. Diese politische Kehrtwende konnte den drohenden gewaltsamen Konflikt in den Yungas im letzten Moment noch abwenden. Seither ist es ziemlich ruhig geworden hinsichtlich der Anti-Drogenpolitik in Bolivien. Die Regierung scheint ihre Wunden zu lecken und versucht den eigentlichen Urheber des bolivianischen Coca-Konflikts, die Regierung der USA, mit dem Versprechen zu beruhigen, dass die - gemäss nordamerikanischer Berechnung - überzähligen Felder mittels freiwilliger und entschädigter Mitarbeit williger Produzenten ausgerottet werden. Ob damit das letzte Kapital im bolivianischen Coca-Konflikt geschrieben ist ....?

(Quellen: El Pulso und La Prensa, diverse Tagesaugaben.


Coca-Ernte

Ernte der Coca-Blätter
Coca-Anbau

Coca-Anbau in den Sur-Yungas

P.S. Während ich diese Zeile redigiere, hat bereits der nächste Coca-Konflikt, diesmal wiederum im Chapare begonnen. Die neue Regierung von Tuto Quiroga hat nämlich festgestellt, dass im Gegensatz zur populistischen Verkündigung des abgetretenen Generals, gar noch nicht alle Coca-Felder im Chapara ausgerottet wurden. Die Wiederaufnahme der Vernichtung von Coca-Pflanzen versuchen die betroffenen Bauern mit einer Blockierung der Militärkasernen im Chapare zu verhindern. Dieser neue Auseinandersetzung hat leider schon ein erstes "ziviles" Todesopfer gefordert.


Lebenskosten

Der Einsatz von Daniel und Irene wird nicht mit einem Lohn, sondern mit der Vergütung der (ortsangepassten) Lebenskosten abgegolten. Die Höhe dieser Lebenskosten wird in Zusammenarbeit mit der örtlichen Koordination und der Geschäftsstelle INTERTEAM jährlich festgelegt. In der Schweiz werden die nach Schweizer Recht geltenden Versicherungen (AHV/ALV; Krankenkasse, Pensionskasse) sowie eine Wiedereingliederungssumme von INTERTEAM mit Hilfe von Bundesgeldern gedeckt. Die Lebenskosten werden teils von der Partnerorganisation und teils von INTERTEAM bezahlt.
Da INTERTEAM jedoch nur zu 70% von Bundesgeldern finanziert wird, müssen die restlichen 30% über Fundraising und Spenden eingeholt werden. Wer spenden möchte, kann seinen Beitrag an folgendes Konto überweisen:

PC-Konto 60-22054-2,
Spendenvermerk: Einsatz Daniel Ott, Bolivien,
oder: Einsatz Irene Fröhlicher, Bolivien,
INTERTEAM, Untergeissenstein 10/12, 6000 Luzern 12.

Bei der Gelegenheit möchten wir all jenen herzlich danken, die uns bereits eine finanzielle Unterstützung haben zukommen lassen, ganz besonders unseren Eltern.
Euer finanzieller Beitrag an INTERTEAM gilt als Zeichen der Solidarität des "Nordens" mit dem "Süden": wir sind weiterhin froh um Eure Unterstützung.
Hier einen Überblick über die für uns festgelegten Lebenskosten (LK) für das Jahr 2001 in CHF:

Mietzinse inkl. NK 5940
Lebensmittel 3232
Transport 2690
Kleidung 457
Kommunikation 590
Freizeit und Ferien 1394
Sicherheit 697
Total 15'000
Finanzierung der LK
Jahresbeitrag AOPEB 2000
Halbjahresbeitrag FyA 800
Spenden, INTERTEAM 12'200




WER IST INTERTEAM?

INTERTEAM ist eine Organisation der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit. INTERTEAM vermittelt und begleitet freiwillige Fachleute in Einsätze nach Afrika, Lateinamerika und Papua Neuguinea. In zehn Ländern geben rund 100 Mitarbeitende ihre Berufskenntnisse weiter.
Voraussetzungen für einen Einsatz sind eine abgeschlossene Berufsausbildung mit Berufspraxis und die Bereitschaft zu einem 3-jährigen Einsatz.
INTERTEAM ist eine ökumenische Organisation, die sich für die Werte Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzt. INTERTEAM wurde 1964 gegründet und hat seinen Sitz in Luzern Die Finanzierung erfolgt durch den Bund, das Fastenopfer und Spenden.
INTERTEAM ist ZEWO-anerkannt.
Internet: www.interteam.ch
E-mail: interteam@bluewin.ch
Tel. 041 360 67 22, Fax 041 361 05 80

Seitenanfang


Ein- und Ausblicke Der Coca-Konflikt: Teil II Ecos aus dem Projekt von Daniel
Bolivien als Schmelztiegel der Kulturen Lebenskosten Projektseite von Irene
Interkulturelles Lernen & Zweisprachigkeit in städtischem Gebiet (El Alto) Wer ist INTERTEAM? Ecos aus dem Umfeld der Projekte:
=> Einem geschenkten Gaul...
=> Bolivianische Bildungsreform
Vom Alltagstrott interlama-home Schweizer Architekten und Daniel in Chiquitos: Fotos