Ecos de La Paz 03 / Septiembre 2002

Ecos aus dem Projekt

Organisationsberatung für AOPEB und CPILAP

Themen und Links

Die Idee des Projektes
(Wiederholung aus Ecos 01)
AOPEB: Konflikte statt Fortschritte CPILAP: Konsolidierung und Bambus Ecos aus dem Umfeld der Projekte:
=> Biodiversität und Indígenas
=> Identität und Sprachverlust
Ecos de La Paz 03 / Septiembre 2002

Die Idee des Projektes (Wiederholung aus Ecos 01)

Mein Arbeitseinsatz soll zwei Partnerorganisationen zugute kommen. Einerseits dem bolivianischen Verband der Organisationen ökologischer Produzenten (AOPEB) und andererseits der Zentrale der Indígena-Völker im Norden von La Paz (CPILAP).

AOPEB ist ein nationaler Wirtschaftsverband mit 41 Mitgliedorganisationen (MO), darunter Produktionsgenossenschaften, Kleinunternehmen und Nicht-Regierungsorganisationen, die sich alle der Produktion, Verarbeitung und/oder Förderung von Bioprodukten widmen. Neben der politischen Lobbyarbeit in Ministerien und in der Öffentlichkeit zugunsten der Bioproduzenten bietet AOPEB auch Dienstleistungen der Kommerzialisierung und der technischen Beratung an.
AOPEB hat international anerkannte Normen für die Bioproduktion erarbeitet und die Zertifizierungsorganisation BOLICERT gegründet. Dadurch konnte den MO der internationale Markt für Bioprodukte geöffnet werden.
AOPEB erwartet von meiner Zusammenarbeit einerseits eine Unterstützung bei der Gestaltung der politischen Lobbyarbeit, deren Ziel unter anderem die Gründung einer nationalen ökologischen Bewegung ist, und andererseits eine Beratung bezüglich der Entwicklung der Organisationsstrukturen.

CPILAP ist Mitglied von AOPEB und repräsentiert die Indígena-Völker Leco, Mosetén und Tacana, die im Norden des Departements La Paz leben. CPILAP soll den angeschlossenen ethnischen Gruppen bei der Durchsetzung ihrer Rechte und dem Schutz ihrer Kultur helfen. Eine wichtige Aufgabe von CPILAP ist die Erlangung von Rechtstiteln für die Ländereien und Wälder der Indígena-Gemeinschaften, den sogenannten Territorios Comunitarios Originarios (TCOs).
CPILAP ist eine sehr junge Organisation und benötigt Unterstützung bei der organisatorischen Konsolidierung.


AOPEB: Konflikte statt Fortschritte

Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo ich mangels Ansprechpartner bei CPILAP praktisch nur für AOPEB arbeitet, ist es seit Beginn diesen Jahres genau umgekehrt. Das Direktorium von AOPEB, dessen Berater ich sein sollte, war die ersten drei Monaten durch einen hässlichen Konflikt mit einer Mitgliedsorganisation blockiert. Danach waren die Direktoren häufig auf Reisen, während das Bambus-Projekt von CPILAP zeitweise meine gesamte Aufmerksamkeit benötigte (siehe weiter unten). Schliesslich entstand noch ein Konflikt zwischen dem Geschäftsführer und dem Direktorium, wobei ich meinen gesamten Vertrauensbonus einsetzen musste, damit das "Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wurde", d.h. aus einem lösbare Konflikt kein zerstörerischen Krieg ausartete. Mittlerweile haben sich die Wogen wieder ein wenig geglättet. Nun steht schon bereits die Generalversammlung vor der Tür, wo mindestens die Hälfte der vier Direktoren von AOPEB ersetzt werden. Folglich besteht kaum noch Interesse bei den abtretenden Direktoren, grundsätzliche Fragen, wie z.B. die Kompetenzteilung zwischen Geschäftsführung und Direktorium schriftlich festzulegen. Es wird auch Aufgabe des neuen Direktoriums sein, die Ziele und Inhalte meiner Zusammenarbeit neu zu definieren.





CPILAP: Konsolidierung und Bambus

Konsolidierung der Organisation
Seit Beginn dieses Jahres verfügt CPILAP über ein eigenes Büro und eine vollamtliche Administratorin. Dies wurde möglich dank der finanziellen Unterstützung des Deutschen Entwicklungsdienstes DED. Das gleiche Projekt erlaubte auch die Erstellung eines strategischen Leitbildes, welches die Ziele und Aufgaben von CPILAP klar definiert. Für die Erstellung des Leitbildes veranstalten wir zusammen mit einem externen Berater verschiedene Veranstaltungen, welche eine breite Beteiligung der indigenen Bevölkerung zum Ziel hatten. Dank den daraus resultierenden Reisen konnte ich die indigenen Völker von CPILAP und deren Heimatgebiete besser kennenlernen.

Erarbeitung des Leitbildes mit den Mosetén


Das Bambus-Projekt

Meine aktuelle Hauptaufgabe bei CPILAP beinhaltet die Organisation und Begleitung des Bambusprojektes, das in die zweite Phase getreten ist.

Das Bambus-Projekt
  • fördert den Anbau von Bambus, um der lokalen Bevölkerung ein günstiges, leichtes, aber trotzdem widerstandsfähiges Material zur Verfügung zu stellen, das eine Alternative zum unökologischen Verbrauch von (Tropen-)Holz darstellt und vielseitig in Konstruktion, Handwerk und Industrie verwendet werden kann.
  • führt neue Technologien ein, welche dem sozio-kulturellen und ökonomischen Umfeld angepasst sind, wenig Investitionskapital benötigen, eine hohe Partizipation der ländlichen Gemeinden zulassen, sowie die kreative Nutzung der zur Verfügung stehenden lokalen Ressourcen fördern.
  • schafft Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten für die ländliche Bevölkerung und bietet interessierten Jugendlichen eine umfassende Berufsausbildung in Anbau, Pflege und handwerklicher Verarbeitung von Bambus.
  • stärkt sozio-kulturelle und handwerkliche Initiativen, welche die Bewahrung und Entwicklung der kulturellen Identität der Leco-, Tacana- und Mosetén-Völker fördern.


Wie bereits im letzten Rundbrief berichtet, konnte CPILAP das bereits verloren geglaubte Bambus - Projekt im August des letzten Jahres wieder eröffnen. Im selben Brief werden auch die vielseitigen Vorteile von Bambus detailliert beschrieben. Es gelang CPILAP, das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, so dass bei der Abschlussfeier am 15. Februar 2002 alle zufrieden waren:
  • die Direktoren von CPILAP, welche das Projekt in transparenter und effizienter Weise ausführten;
  • der Bambus-Lehrer, dessen kreative Lehrmethode in relativ kurzer Zeit erstaunliche Resultate zeigte;
  • die 14 ausgebildeten Jugendlichen, die einen neuen Beruf erlernten, und deren Möbel bereits verkauft werden;
  • die Gemeinde, welche nun über eine gut ausgerüstete Ausbildungsstätte verfügt, in der weiteren Jugendlichen eine berufliche Alternative zur Migration angeboten werden kann;
  • der verantwortliche Bürgermeister der Region, der auf ein erfolgreiches Beispiel nachhaltiger lokaler Entwicklung hinweisen kann;
  • die Verantwortlichen der beiden Finanzierungsorganisationen PNUD und CARE Bolivia, die ihren Spendern ein gelungenes Beispiel für die effiziente und effektive Verwendung der Spendenmittel vorlegen können;
  • sowie der Cooperante, der das Gefühl haben durfte, seine Zeit und Energie für etwas Sinnvolles eingesetzt zu haben.

Abschlussfeier Bambus 1

Das als Pilotphase konzipierte Projekt war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht selbsttragend, sondern auf eine weitere externe Finanzierung angewiesen. Trotzdem fand es PNUD (Entwicklungsorganisation der UNO) als Hauptfinanzgeberin nicht für nötig, eine weitere Finanzierung zuzusagen.
Das liegt wohl auch daran, dass Projektevaluationen immer unmittelbar nach Abschluss eines Projektes stattfinden, hingegen höchst selten zwei oder drei Jahre später. Es wäre interessant zu wissen, wieviele der sogenannt erfolgreich abgeschlossenen Projekte dann überhaupt noch existieren. Aber scheinbar ist es gerade das, was viele Entwicklungsorganisationen lieber nicht so genau wissen wollen, weil sie dann wohl in einen Argumentationsnotstand über den Sinn ihrer Arbeit kämen.
Die Bambus-Werkstatt wäre jedenfalls sang und klanglos wieder verschwunden, hätte nicht CPILAP eine neue Finanzierungsquelle anzapfen können.

Bambus als Strategie zur Bewahrung der Biodiversität

Die zweite Phase des Bambus-Projektes (Bambus-2) wird vom CRITICAL ECOSYSTEM PARTNERSHIP FUND (CEPF) mit 50'000 US$ unterstützt. CEPF ist ein von der Weltbank, Conservation International, Global Environment Facility sowie anderen Organisationen gespeister Fonds, welcher Initiativen zur Bewahrung der Biodiversität unterstützt.
CEPF hat zu diesem Zweck auf der ganzen Welt rund ein Dutzend sogenannte Hotspots definiert, das heisst Gebiete, in denen eine ausserordentliche Vielfalt an Pflanzen, Tieren und genetischen Ressourcen herrscht (für weitere Details zu CEPF, siehe dessen Web-Seite in englischer Sprache).
Die Völker von CPILAP leben in einem ökologisch äusserst wertvollen Gebiet (siehe Ecos aus dem Projektumfeld: Biodiversität und Indígenas). Bambus als Ersatz für den Gebrauch von Tropenholz sowie als effizientes Mittel, um die Bodenerosion aufzuhalten und die Wiederaufforstung zu fördern, ist ganz im Sinne der CEPF-Ziele.
Das Bambus-Projekt schafft zudem neue Einkommens- und Arbeitsmöglichkeiten und vermindert dadurch Armut und Migration, zwei wichtige Ursachen für die fortschreitende Erosion der kulturellen und biologischen Diversität.

Evaluation Bambus-1

Am 13. Mai konnte die zweite Phase des Bambus-Projekes eröffnet werden. Mit Bambus-2 sollen die nicht gelösten Schwächen der ersten Phase überwunden sowie die finanzielle Selbstständigkeit der Bambus-Produktion erreicht werden.
Die Auswertung der ersten Phase des Bambus-Projektes ergab (stark zusammengefasst) folgende Stärken und Schwächen:

Stärken:
  • Werkstatt für die Produktion von Bambus-Möbeln in Indígena-Gemeinde eingerichtet
  • 14 Jugendliche beendeten die handwerkliche Ausbildung von 5 Monaten
  • die hergestellten Bambus-Möbel werden auf dem inländischen Markt angeboten und verkauft
  • Organisationsstruktur, Selbstwertgefühl und Image von CPILAP wurden dank der erfolgreichen Durchführung des Projektes verbessert.
Schwächen:
  • Die autonome Versorgung der Werkstätte mit Bambus ist noch nicht gewährleistet, da in der Region keine für die Herstellung von Möbeln geeignete Bambus-Art wächst.
  • Der Verkauf der Bambus-Möbel ist gering und es fehlt eine Vermarktungsstrategie.
  • Die Zahl der ausgebildeten Handwerker ist zu klein für eine "marktkonforme" Produktion
  • Organisatorische Schwächen auf allen Ebenen (CPILAP, lokale Organisationen, Werkstätte) erschweren die Selbstständigkeit der Bambus-Produktion

Bambus-2

Bambus-2 will der lokalen Bevölkerung demonstrieren, dass die Anpflanzung und Nutzung von Bambus eine wirtschaftlich, ökologisch und sozio-kulturell vernünftige Alternative zum zerstörerischen Gebrauch von Tropenholz darstellt. Die Anpflanzung von Bambus in verschiedenen Orten im Norden des Departamentes La Paz stellt einen Beitrag zur Begrenzung der Bodenerosion und zur Förderung der Aufforstung dar.
Das Entstehen einer "Bambus-Kultur" kann jedoch nur gelingen, wenn die lokale Bevölkerung einen wirtschaftlichen Nutzen aus der Pflanzung und Verarbeitung von Bambus gewinnen kann. Folglich hat die Schaffung von neuen Einkommensmöglichkeiten mittels der Herstellung und Vermarktung von Bambus-Möbeln oberste Priorität. Das 12 Monate dauernde Projekt beinhaltet die Errichtung einer weiteren Bambus-Werkstatt und weist vier Schwerpunkte auf:

1) Rohstoff
Bambus wird in vielen Orten wie Unkraut behandelt und dementsprechend bekämpft. Es gibt im Einflussgebiet von CPILAP, der subtropischen Zone von La Paz, zwar eine grosse Vielzahl an Bambus-Arten, diese wachsen jedoch sehr zerstreut und oft in unwegsamen Gebieten.
Das Projekt fördert den gezielten Anbau von verschiedenen Bambus-Arten, die für die Produktion von Möbeln und Kunsthandwerk, wie auch für die Konstruktion von Hütten besonders geeignet sind.

2) Vermarktung Das Projekt unternimmt grosse Anstrengungen, um Märkte für die Bambusprodukte zu erschliessen. Neben der Teilnahme an Messen wird eine Marktstudie erstellt sowie eine Vermarktungsstrategie entwickelt.
Die Werkstätten werden als Kleinunternehmen organisiert, wobei die repräsentativen Organe der lokalen indigenen Bevölkerung zusammen mit CPILAP als Teilhaber fungieren. Über den gewinnorientierten Verkauf ihrer Produkte sollen die Werkstätten die finanzielle Selbstständigkeit erzielen und dauerhafte Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung anbieten.

3) Ausbildung
Das Projekt sieht die Errichtung einer zweiten Bambus-Werkstatt vor. Die beiden Werkstätten sollen sich zu Ausbildungs- und Innovationszentren entwickeln, in denen jedes Jahr neue Handwerker ausgebildet sowie Anbau und Gebrauch von Bambus in den umliegenden Gemeinden gefördert wird.
In einem speziellen Kurs können Frauen aus verschiedenen indigenen Gemeinden neue Techniken für die Herstellung von Kunsthandwerk aus Bambus erlernen. Die Frauen werden anschliessend bei der Errichtung ihres eigenen Kleinunternehmens sowie bei der Vermittlung ihrer Fähigkeiten an andere Frauen unterstützt.

4) Organisatorische Entwicklung
Die organisatorischen Fähigkeiten von CPILAP wie auch der lokalen indigenen Organisationen werden durch die Erfahrungen der Projektorganisation (learning by doing) gestärkt. Zudem erhalten die Führer der Organisationen Ausbildungskurse, in denen sie lernen, neue Projekte zu formulieren, welche eine nachhaltige lokale Entwicklung zum Ziel haben.

Aktuelle Situation

Das Projekt ist gut angelaufen, wenn auch in den ersten drei Monaten verschiedene Schwierigkeiten zu überwinden waren:
  • politischen Unruhen im Land sowie die nationalen Wahlen erschwerten die Zusammenarbeit mit den indigenen Gemeinden.
  • eine Studie in der Umgebung von Apolo, wo die zweite Werkstatt vorgesehenen war, ergab, dass dort zwar viel Bambus wächst, jedoch keine der Arten, die für die Produktion von Möbeln geeignet sind. So muss eine neue Gemeinde gefunden werden, welche zumindest eine der gewünschten Bambusarten im nahen Umfeld aufweist.
  • die schlechten Kommunikationsmöglichkeiten und Verkehrswege erschweren die Durchführung des Projektes erheblich.
Folglich sind wir mit unserem Aktivitäten-Plan bereits ein wenig in Rückstand geraten. Dennoch sind wir überzeugt, das Projekt zu einem guten Ende zu bringen. Bereits konnten wir an einer weiteren Verkaufs-Messe in La Paz teilnehmen und neue Kunden für unsere Möbel gewinnen.

Wir sind auch kräftig dabei, strategische Partner für das Projekt zu finden, um die Wirkungen und Ergebnisse zu verbessern. So haben wir bei der Vermarktung schon wertvolle Unterstützung durch Swisscontact erhalten, während wir die Handwerkskurse für Frauen mit einer bolivianischen Gender-Organisation zusammen organisieren. Auch sind wir im engen Kontakt mit der internationalen Bambus-Organisation INBAR.

Ausblick

Unser Projekt soll der zündende Funke für die Entstehung einer bolivianischen Bambus-Bewegung sein. Dementsprechend koordinieren wir unsere Aktivitäten mit allen bereits bestehenden Projekten und Organisationen, welche mit Bambus arbeiten und rühren kräftig die Werbetrommel, um neue Interessenten für Anbau und Nutzung von Bambus zu finden.
Wir hoffen, die in Bambus-1 und -2 gemachten Erfahrungen in weiteren indigenen Gemeinden reproduzieren zu können. Dazu benötigen wir möglichst bald die "Eroberung der Märkte". Kommerzielle Kontakte sind uns daher jederzeit herzlich willkommen. (Für einen privaten Einzelverkauf in der Schweiz sind die Transportkosten leider viel zu hoch.
Zu klein? Klick drauf!
Kinder-Liegestuhl

Weitere Infos zum Projekt

www.interlama.net/cpilap/bambu: Projektbeschrieb und Katalog der hergestellten Möbel in spanischer Sprache
Video über das Projekt in spanischer Sprache bei CPILAP zum Selbstkostenpreis (Kassette und Porto) erhältlich.
Infos und Bestellungen (auch in deutscher Sprache): cpilap@interlama.net


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Ecos aus dem Projekt von Irene Private Seite von Irene und Daniel interlama-home