BIOLIVIEN

von Roselynn Ledezma Quiroz, Public Relation AOPEB und Daniel Ott, Freiwilliger Interteam / AOPEB

publiziert in Austausch 3/03, herausgegeben von Interteam, Luzern

Der Verband Bolivianischer Bio-Produzenten AOPEB

Zweck des 1991 gegründeten Verbandes AOPEB ist die Förderung von Produktion, Verarbeitung, Kommerzialisierung sowie Massenkonsum biologisch hergestellter Agrarprodukte sowie die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bio-Produzenten.

Die 47 Mitgliedsorganisationen vereinen rund 30'000 Bio-Produzenten aus dem ganzen Land.

AOPEB ist Mitglied des internationalen Netzwerkes der Ökobewegung IFOAM und Autor der bolivianischen Standardnormen für Produktion und Verarbeitung biologischer Produkte. (Infos über AOPEB)


Biologische Landwirtschaft bedeutet nicht nur den Verzicht auf chemische Hilfsmittel, sondern bezeichnet die Wissenschaft und die integrierte Nutzung der natürlichen und menschlichen Ressourcen mit dem Ziel einer nachhaltigen Bewahrung der Biodiversität.


Der Bio-Markt

Bolivien exportiert Quinua, Kaffee, Paranüsse, Kakao, Bohnen, Amaranth, Trockenfrüchte und Tees in die rasch wachsenden Biomärkte von Europa, USA und Japan.

In Bolivien selber sind sich nur wenige KonsumentInnen der Vorteile von gesunden und nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln bewusst. Auch fehlt ein national anerkanntes Kontrollsystem, das die umweltgerechte Herstellungsweise und die Qualität der als Bio- oder Naturprodukte verkauften Waren garantiert.


Biomarkt in der Schweiz

In der Schweiz stieg das Verkaufsvolumen von Bioprodukten im Jahr 2002 um 13% auf 1056 Millionen  Franken. JedeR SchweizerIn gab im Durchschnitt 144 Franken für Bioprodukte aus. Coop und Migros waren für 3/4 des Verkaufsvolumens verantwortlich.

Die Biolandwirtschaft wuchs im Jahr 2002 um 6%. Rund 6'500 Bauern und Bäuerinnen kultivieren fast 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche biologisch.

Quelle: BIOFACH-Newsletter 14.04.2003

Das Bio-Land Bolivien

Bolivien eignet sich hervorragend für die Produktion von Bioprodukten. Die klimatische und geografische Vielfalt begünstigt eine enorme Biodiversität. Es besteht ein noch unausgeschöpftes Marktpotential für traditionelle Produkte, die als sehr gesund und nährreich gelten, wie z. B. Lama-Fleisch, Hochlandgetreidesorten oder Tropenfrüchte.

In Bolivien hat sich ein grosser Fundus an traditionellem Wissen über umweltgerechte Anbauweisen sowie die Nutzung von Heilpflanzen bewahrt.

Trotz dieser Vorteile sind die bolivianischen Bio-Exporte in den letzten Jahren gesunken. Gründe dafür sind fehlende finanzielle Mittel, um die teure Bio-Zertifizierung zu bezahlen, geringe Mengen an exportfähigen Bio-Produkten, Mangel an unternehmerischem Wissen und Handeln sowie starke Schwankungen in der Qualität.

Die Dienstleistungen von AOPEB

Zur Überwindung dieser Schwächen organisiert AOPEB Weiterbildungskurse zu Themen wie Planung, Kommerzialisierung und Optimierung der Produktion. Der Verband unterstützt seine Mitgliederorganisationen bei der Errichtung interner Kontrollsysteme, welche die Kosten der Bio-Zertifizierung erheblich senken und die Konstanz bei der Qualität verbessern.

AOPEB hat mit der Entwicklung eines nationalen Gütesiegels begonnen, um das Vertrauen der KonsumentInnen bezüglich biologischer Produkte zu gewinnen. Die Errichtung von Bio-Supermärkten in den drei grössten Städten des Landes soll den nationalen Konsum biologischer Nahrungsmittel fördern.

Der Verband setzt sich auch aktiv für die Entwicklung und Durchsetzung sozialer Standards in der Bio-Produktion ein, damit das nationale Gütesiegel als Garant für Agrarprodukte gilt, die nicht nur frei von Schadstoffen sind, sondern auch umweltgerecht und sozial nachhaltig produziert wurden.


Weltmarkt von Bioprodukten

Der weltweite Bio-Markt wird für dieses Jahr auf ein Volumen von 23-25 Mrd. EUR geschätzt, für 2005 rechnet das International Trade Center (ITC) mit 29-31 Mrd. EUR. Der Umsatz in Deutschland wird auf bis zu 3,1 Mrd. EUR, in Großbritannien auf 1,75 Mrd., in Italien auf 1,4 Mrd. und in Frankreich auf 1,3 Mrd. EUR veranschlagt.

Ganz vorne in Bezug auf den Flächenanteil liegen Liechtenstein mit 17 %, Österreich mit 11,3 % und die Schweiz mit 9,7 %. Italien liegt bei 7,9 %, Großbritannien bei 3,96 %, Deutschland bei 3,7 % und Frankreich bei 1,4 % biologisch bewirtschafteter Fläche.

Die größten Bio-Areale kann Australien (10,5 Mio. ha), Argentinien (3,2 Mio. ha) und Italien (1,2 Mio. ha) vorweisen.

Quelle: IFOAM: The World of Organic Agriculture 2003 (www.ifoam.org/pub_news.html)


AOPEB und Interteam

Im Januar 2000 begann die Zusammenarbeit von Interteam mit AOPEB und einzelnen Mitgliedorganisationen. Ein Freiwilliger berät das Zentralbüro in politischen und organisatorischen Fragen, ein anderer hilft einer Kakao-Kooperative bei der Einführung eines Qualitätsmanagements. Ein dritter Freiwilliger, dessen Einsatz in diesem Jahr abgeschlossen wurde, unterstützte biologische Gemüsebauern.

(Informationen über die Einsätze bei AOPEB: www.interlama.net)

 

Daniel Ott, La Paz, Octubre 2003

Links
-> Ecos de La Paz 04->Ecos aus dem Projekt von Irene ->Ecos aus dem Projekt von Daniel ->Kaffee ist bitter
->Mit der Sprache stirbt auch die Kultur ->COVOSU-Synergiegruppe im Bildungsbereich -> Osterreise in den UrwaldSalar von Uyuni und Umgebung