Exkursion in die Salzseegegend von Uyuni: ein Bildbericht

In den letzten Junitagen - d.h. in der kältest möglichen Jahreszeit - erprobten wir unsere Grenzen in der Gegend der Salzseen von Uyuni. Gefordert war vor allem unser visuelles Wahrnehmungsvermögen: schier jede Kurve eröffnete unseren Blicken neue Linien, Formen und Farbschattierungen. Da die Pixel-Speicher unserer individueller Hardplatten bald überfordert waren, delegierten wir meistens die Speicherfunktion an unsere Kameras. Doch auch so können wir nur einen kleinen Einblick in die Grösse der erlebten Landschaften liefern: man/frau muss es einfach selber gesehen haben...
Wir näherten uns dem Ausgangsort der Expedition von Potosí her, der einst berühmten und reichen Silberstadt auf über 4000 m Höhe. Den Überlebens-Kit für Überlandexpeditionen besorgt man sich am besten beim Kiosk um die Ecke:


Bis nach Uyuni sind es bei strahlendem Wetter 6 Std. Autofahrt über eine relativ gute Schotterpiste.

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Vor Uyuni
Ca. 20 km vor Uyuni liegt Pulacayo, welches heute das Los vieler Minenstädte teilt: seine Bewohner leben in einer eintönigen Misere, berichten aber stolz von der historischen Grösse des Ortes. In diesem Fall hat der Silberreichtum 1890 zum Bau der ersten bolivianischen Eisenbahnlinie von Pulacayo nach Antofagasta (an der chilenischen Küste) geführt, welche auch den Zubringer für französische Weine, englische Kleider und ausländische Architekten erleichterte.
Hier soll auch der erste Club Social mit Bowling-Bahn (!) von ganz Lateinamerika entstanden sein, und die örtliche Fussballmannschaft brachte es in den 1930er Jahren sogar einmal zum Nationalmeister. 20'000 Minenleute waren in den besten Zeiten dort beschäftigt; heute sind es gerade noch 60, die mehr schlecht als recht ein Auskommen finden. Historische Berühmtheit hat der Ort auch durch das Manifest von Pulacayo ("Tesis de Pulacayo") erlangt, das 1946 wichtige Forderungen der Revolutionären Arbeiterpartei formulierte. Dass sich der Ort als gefährlicher Herd der Arbeiterbewegung manifestiert hatte, dürfte an der Stillegung der Minen im Jahre 1951 mitschuldig sein. Heute wirkt der Ort verwahrlost und trist; doch eine Handvoll initiativer Leute möchte aus dem historischen Kapital eine touristische Attraktion aufbauen: Finanzgeber sind willkommen bzw. gesucht! Bil Uyuni wurde 1889, sozusagen als Nebenprodukt der neuen Eisenbahnlinie, gegründet und beschäftigte in den 60er Jahren als Drehscheibe zwischen Chile, Argentinien und Bolivien gegen 1000 Arbeiter für die Betreuung der Gütertransporte. Heute wirkt Uyuni "wie eine sibirische Arbeitersiedlung" - wie es ein Reiseführer treffend formuliert. Überdimensionierte Avenidas mit spärlichem Verkehr, gesäumt von Baumskeletten, die besonders in der Nacht der bissigen Kälte trotzen. Im Hotel ist (warm) duschen nur am Nachmittag möglich (wenn nicht gerade der Boiler leer ist), da morgens die Wasserleitungen gefroren sind, und die eine Gasheizung wird turnusmässig auf die Zimmer getragen... doch die Hotelfrauschaft entschädigt mit heissem Cocatee und freundlichen Bemühungen.

Nach dieser Einstimmung ist die Gruppe fit für den Safari: es geht los zum Salar - dem mit 12'000 qkm grössten Salzsee der Welt, auf 3650 m Höhe.

Salzgewinnung in Colchani
Natürliche Struktur einer Salzfläche

Baumaterial...:

Salz!
Mitten im Salar liegt die Isla Pescado, die ihren Namen der fischähnlichen Form verdankt. "Bewohnt" wird sie lediglich von standhaften, z.T. jahrhundertealten Kakteen; tagsüber wieseln und kraxeln hier eine Menge Touristen umher. Nach dem Mittagessen schickt der Reiseleiter seine Schar in die Wüste...


Die Gegend um den Salar ist von Bergseen geprägt: wir sind im Reich der Schwefeldüfte, Boraxvorkommen und Flamingos.

Vereinzelt lassen sich zuweilen auch Robinsongestalten und wilde Vicuñas beobachten.


Natürliches Design

Brodelnder Hexenkessel

Sumpftal

Spieglein, Spieglein... befragt der Vulkanberg Llicancabur aus seinen knapp 6000 m Höhe die Laguna Verde.


Sich um 6 Uhr früh bei 3 Grad Celsius aus der Pritsche schwingen? Schüttelpartien bei 20 km/h oder 80 km/h? Staubwolken zum Dessert? Die Gruppe könnte ein Lied davon singen: doch die Bilder entschädigen für jegliche Komforteinbussen...

Links
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