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Januar 2000 arbeite ich als Berater für den Vorstand des Bolivianischen
Bioverbandes AOPEB. Ziel meiner Mission mit AOPEB, die Ende 2003 ausläuft, ist die Beratung des Direktoriums in politischen und organisatorischen Fragen. Mit meiner Unterstützung soll der Verband zunehmend Einfluss auf die Schaffung von gesellschaftlich und wirtschaftlich günstigen Rahmenbedingungen für die ökologische Agrarproduktion in Bolivien gewinnen. |
| Vergebliche
Mühen
Schon im letzten Rundbrief habe ich berichtet, dass die Zusammenarbeit mit dem Vorstand von AOPEB wenig Kontinuität aufweist. Diese Tendenz hat sich leider weiterentwickelt. Auch mit dem im September 2002 neu gewählten Vorstand (zwei bisherige und zwei neue Mitglieder) war ein konstantes Arbeiten nicht möglich. Auf Wunsch des Vorstandes habe ich zum Beispiel einen Zyklus von Weiterbildungsveranstaltungen über politische Themen vorbereitet, mit dem Ziel, dass die Mitglieder des Vorstandes die - vorwiegend vom Geschäftsführer verfassten - politischen Konzepte des Verbandes - lesen, diskutieren und mit eigenen Erfahrungen bereichern. Schon seit mehr als einem halben Jahr haben wir Termine festgesetzt, um mit dem ersten Kurs zu beginnen. Aus verschiedenen Gründen verschob der Vorstand den Kurs immer wieder. Die vor kurzem durchgeführte jährliche Evaluation mit der nationalen Koordination der schweizerischen Freiwilligen zeigte denn auch wenig bis gar keine Fortschritte bei der Erfüllung der konkreten Aufgaben und Ziele meiner Mission. Zu klein? Klick drauf! Gründe dafür sind meiner Meinung nach das geringe Interesse des Vorstandes an meinen Dienstleistungen, deren häufige und oft spontane Verpflichtungen (wie die Teilnahme an Veranstaltungen oder Reisen zu Mitgliedsorganisationen) sowie mein starkes Engagement mit der zweiten Partnerorganisation CPILAP.
AOPEB
auf Erfolgskurs
AOPEB hat jedoch auch ohne meine Unterstützung grosse Fortschritte gemacht und sich zu einer effizienten Organisation entwickelt. Der nationale Bioverband beschäftigt heute 10 fest angestellte MitarbeiterInnen, darunter zwei Vermarktungsspezialisten, eine Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit und einen Profi für die Erstellung und den Unterhalt von Webseiten und Internetdienstleistungen. Seit Anfang dieses Jahres unterstützt zudem eine deutsche Freiwillige die Ausbildung, Organisation und Partizipation der Biobäuerinnen. Das Haus von AOPEB mit Büro von CPILAP im dritten Stock
(Fotos: Daniel)
Auch finanziell hat sich AOPEB dank der erfolgreichen
Lobbyarbeit des Geschäftsführers bei internationalen Entwicklungsorganisationen
kräftig "gemausert". Der Verband verfügt mittlerweile
über ein eigenes grosses Haus in zentraler Lage, eingerichtet mit
moderner Büroinfrastruktur. Zudem eröffnet AOPEB in den drei
grössten Städten des Landes - La Paz, Cochabamba und Santa Cruz
- eigene Bioläden, die mittelfristig Einnahmen erzielen sollen.
In einen zweitägigen Kurs erstellte das AOPEB-Team (inklusive Cooperanten) in partizipativer Weise zudem Funktionsbeschreibungen für jede Arbeitsstelle. Für die Zeitschrift Austausch von Interteam, habe ich zusammen mit Rosalynn, der Comunicadora von AOPEB einen Artikel über den Bioverband und die Bioproduktion in Biolivien geschrieben. Die
grösste Biomesse Europas Zu klein? Klick drauf!
Die Konkurrenz auf dem internationalen Biomarkt ist gross. Bolivien ist in diesem Wettbewerb mehrfach benachteiligt und leider waren auch meine Möglichkeiten begrenzt:
Trotz all dieser Schwierigkeiten hat sich an der Biomesse klar gezeigt,
dass Bolivien ein grosses Potential an Bioprodukten besitzt und wichtige
Einnahmen durch deren Verkauf auf dem Weltmarkt erzielen kann. Öffentlichkeitsarbeit (Foto: AOPEB)
Ausblick |
CPILAP: Bambus und Empowerment
CPILAP
ist Mitglied von AOPEB und repräsentiert
die indigenen Völker Leco, Mosetén und Tacana, die im Norden
des Departementes von La Paz leben. CPILAP soll den angeschlossenen
ethnischen Gruppen bei der Durchsetzung ihrer Rechte und dem Schutz
ihrer Kultur helfen. Eine wichtige Aufgabe von CPILAP ist die Erlangung
von Rechtstiteln für die Ländereien und Wälder der indigenen-Gemeinschaften,
den sogenannten Territorios Comunitarios Originarios (TCOs). CPILAP wurde 1997 gegründet und benötigt Unterstützung bei der organisatorischen Konsolidierung sowie der Ausarbeitung von produktiven Projekten. |
Hürdenlauf
mit Verzögerungen
Wie in jedem Rundbrief berichte ich auch in diesem über die Entwicklung des Bambus-Projektes, deren Koordination in den letzten drei Jahren eine meiner Hauptaufgaben war. CPILAP hat im Mai 2002 die zweite Phase des Projektes begonnen (siehe Rundbrief 03, Bambus 2). Diese Phase sollte eigentlich nach einem Jahr abgeschlossen sein, musste aber immer wieder verlängert werden. Die aktuelle Projektphase sieht vor, zwei dreimonatige Ausbildungskurse durchzuführen und eine neue Bambus-Werkstatt zu eröffnen. Zunächst klärten wir ab, wo für die Möbelherstellung geeignete Bambus-Arten in ausreichender Menge wachsen. Schon bald wurde Covendo, ein Dorf der Moseten- Indianer als geeigneter Ort für die Errichtung einer neuen Bambus-Werkstatt auserwählt. In mehreren Sitzungen mit den Autoritäten des Dorfes wie auch mit der lokalen Organisation wurden die gegenseitigen Verpflichtungen für die Einrichtung der Werkstatt und die Durchführung eines dreimonatigen Ausbildungskurses festgelegt.
Trotz mehrmaliger Versuche,
konnte der Kurs bis heute noch nicht gestartet werden. Einerseits
erfüllte die Gemeinde ihre Versprechen nicht, das für die
Werkstatt und Unterkunft der Bambus-Lehrlinge vorgesehene Haus instand
zu stellen, andererseits kamen nur ganz wenige Jugendliche der Einladung
nach, sich in den Kurs einzuschreiben. Schliesslich verstrickten sich
die Dorfgemeinschaft, die lokalen Organisation und auch Mitglieder
des Vorstandes von CPILAP in einen internen Konflikt, so dass die
Bedingungen für eine Zusammenarbeit zur Zeit nicht gegeben sind.
Auf grosses Interesse stiessen dagegen die dreiwöchigen Handwerkskurse für indigene Frauen. Dank der fachlichen und menschlichen Kompetenz der Ausbildnerin, einer ethnischen Gruppe aus dem tropischen Tiefland von Cochabamba angehörend, konnten die handwerklichen Kenntnisse der interessierten Frauen mit denjenigen von anderen Regionen kombiniert werden. Die Frauen lernten in kurzer Zeit qualitativ hochwertige und innovative Produkte wie zum Beispiel Körbe in verschiedenen Formen, Grössen und Materialen zu erstellen. Alle Frauengruppen fanden noch während der Ausbildung einen Käufer für ihre Artikel und können nun dank der Herstellung und dem Verkauf ihrer Handwerksarbeiten zusätzliche Geldeinnahmen erzielen. Von
der Werkstatt zum Kleinunternehmen Zu klein? Klick drauf! |
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Wie
im letzten Eco aus dem Projekt
berichtet, hat CPILAP zusammen mit den angeschlossenen Völkern ein
strategisches Leitbild erstellt, dass
die Ziele und Aufgaben der Organisation für die nächsten fünf
Jahre festhält. Seit einigen Jahren findet
in Bolivien ein vielversprechender Dezentralisierungsprozess statt,
der den über 300 Munizipien mehr operative Freiheiten und finanzielle
Mittel überlässt, um eine nachhaltige Entwicklung in ihrem
Einflussgebiet voranzutreiben. Gleichzeitig wurden gesetzliche Rahmenbedingungen
geschaffen, die es der lokalen Bevölkerung ermöglichen, die
Strategien und die Verwendung der finanziellen Mittel für die lokale
Entwicklung mitzubestimmen. Lecos de Apolo (Foto: Lukas Spuhler)
Zur Zeit findet ein Selektionsprozess statt, in dem zusammen mit den
angeschlossenen Organisationen die zukünftigen PromotorInnen bestimmt
werden. Das Projekt sieht nicht nur eine konstante Ausbildung der PromotorInnen
sondern auch deren Entlöhnung vor. Büroräumlichkeiten von CPILAP im
Haus von AOPEB (Fotos: Daniel)
Wie mit AOPEB läuft mein Arbeitsvertrag auch mit CPILAP im Dezember aus. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass ich meinen Vertrag um ein halbes Jahr verlängere, da meine designierte Nachfolgerin ihre Arbeit erst im August des kommenden Jahres aufnehmen wird. |